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    Foto: Gottfried Kohlhase
    Biber in Sachsen
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Biber

Baumeister der Natur

In Deutschland beinahe ausgerottet, überlebte eine kleine Kolonie von Bibern an den Ufern der Elbe in Nordsachsen. Fünfzig Jahre kämpften Naturschützer für ihr Überleben.  Mit Erfolg. Heute ist der Biber weitverbreitet, und seine Fähigkeiten könnten für uns wertvoller sein denn je. Doch es kann auch zu Konflikten kommen. 


Wie ist das Familienleben der Biber?

Ende Mai bis Anfang Juni wirft das Biberweibchen nach einer Tragzeit von etwa 105 Tagen bis zu vier Jungs. Die Paarung erfolgte in den Wintermonaten im eisig kalten Wasser.

Ganze zwei Jahre leben junge Biber bei ihren Eltern, bevor sie sich ein eigenes Revier suchen. In ihrem zweiten Lebensjahr helfen sie den Eltern sogar noch bei der Aufzucht ihrer jüngeren Geschwister.

Junge Biber wandern im Schnitt 3 bis 25 km, bis sie ihr neues Revier gefunden haben. Manche wandern auch über 100 km weit bis an ihr Ziel. Gefahren auf der Wanderschaft sind häufig der Straßen- oder auch der Schienenverkehr. Im neuen Revier angekommen, können sie ihre eigene Familie gründen.

Die idealen Bedingungen für ihre Quartiere sind: eine angemessene Wassertiefe, damit der Zugang zu ihrem Bau immer unter Wasser liegt, sowie ein ausreichendes Angebot an regenerationsfähiger Winternahrung. Bei Bedarf hebt der Biber mithilfe von selbst gebauten Dämmen den Wasserspiegel an und verändert so nachhaltig seinen Lebensraum.

Wovon ernähren sich Biber?

Der Biber ernährt sich ausschließlich pflanzlich. Sein Speiseplan umfasst rund 300 krautige Pflanzen und Gehölze, die im Uferbereich von Gewässern wachsen. Rund 95 Prozent seiner Fraßspuren finden sich in einem Uferstreifen von bis zu 20 Metern Breite. Doch auch auf Feldern macht er gelegentlich Beute: Mais und Raps frisst er ebenfalls gern – sehr zum Ärger mancher Landwirte. Der Biber ist dabei durchaus wählerisch. Liegt die Nahrung weiter vom Ufer entfernt, legt er längere Strecken nur für besonders bevorzugte Baumarten zurück.

Sobald im Herbst die ersten Blätter fallen, stellt er seinen Speiseplan um: Dann stehen vor allem Knospen und Rinde auf dem Programm. Besonders gern frisst er dünnstämmige Gehölze, vor allem Pappeln und Weiden mit einem Durchmesser von bis zu etwa fünf Zentimetern. Gleichzeitig bereitet er seine Biberburg und seine Dämme auf den Winter vor und legt nahe dem Bau einen Nahrungsvorrat aus Ästen und Zweigen im Wasser an. Dieser sogenannte Nahrungsflus ist überlebenswichtig, wenn der geschickte Nager bei zugefrorenen Gewässern nicht mehr an die Ufergehölze herankommt.

Warum baut der Biber Dämme und Biberburgen?

Der Biber baut Dämme und Burgen, weil er seinen Lebensraum selbst gestaltet. Mit den Dämmen staut er das Wasser an, sodass der Eingang zu seinem Bau unter Wasser liegt. Das schützt ihn besser vor Feinden und macht es ihm leichter, sich sicher im Revier zu bewegen. Gleichzeitig sorgt der höhere Wasserstand dafür, dass er Nahrung und Baumaterial gut transportieren kann.

Die Burg dient dem Biber als Wohn- und Schutzraum. Dort ruht er, schläft und zieht seine Jungen auf. Weil der Zugang meist unter Wasser liegt, ist die Burg gut gesichert und vor vielen Gefahren geschützt. Außerdem bleibt es in der Burg vergleichsweise trocken und stabil.

Durch seine Bautätigkeit verändert der Biber nicht nur seine eigene Umgebung, sondern schafft auch neue Lebensräume für andere Tiere und Pflanzen.

Warum ist der Biber geschützt und welche Konsequenzen hat das?

Der Biber genießt in Deutschland und Europa einen besonderen Schutzstatus, der sowohl rechtlich verankert als auch ökologisch begründet ist.

Der Biber ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der europäischen FFH-Richtlinie eine streng geschützte Tierart. Er ist in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie gelistet, was bedeutet, dass für seinen Erhalt besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Anders als viele andere Wildtiere unterliegt der Biber nicht dem Jagdrecht.

Der Schutz ist ökologisch gut begründet: Als Schlüsselart gestaltet der Biber Gewässer und Auen aktiv um und schafft dadurch neue Lebensräume für zahlreiche andere Arten. Durch seine Dämme und Burgen fördert er die Artenvielfalt erheblich, beeinflusst den Wasserhaushalt positiv und trägt zum natürlichen Hochwasserschutz bei.

Der strenge Schutz hat klare rechtliche Folgen:

  • Es ist verboten, dem Biber nachzustellen, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten.
  • Es ist verboten, den Biber erheblich zu stören.
  • Seine Baue und Dämme dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.
  • Der Handel mit Bibern ist untersagt.

Konflikte können nicht einfach durch Beseitigung der Tiere oder ihrer Bauten gelöst werden. Eingriffe an Biberbauten brauchen die Zustimmung der zuständigen Naturschutzbehörden. Stattdessen sollen Konflikte über professionelles Bibermanagement gelöst werden – durch Schutzmaßnahmen wie das Einzäunen gefährdeter Bäume oder die Schaffung ausreichend breiter Gewässerrandstreifen. Abschuss oder Umsiedlung sind nur in absoluten Ausnahmefällen mit behördlicher Genehmigung möglich.

Welchen Nutzen hat der Biber für die Natur?

Mit seinen Dämmen staut er Wasser auf und schafft so Teiche, Tümpel, nasse Uferbereiche und kleine Auenlandschaften. Dadurch entstehen ganz unterschiedliche Lebensräume, von denen viele Pflanzen- und Tierarten profitieren.

Besonders wertvoll ist der Biber dort, wo Gewässer sonst schnell austrocknen oder sehr eintönig sind. Durch den Rückstau bleibt Wasser länger in der Fläche, der Boden wird feuchter, und auch der Grundwasserspiegel kann sich positiv entwickeln. Gleichzeitig werden Hochwasserspitzen abgemildert.

Auch für die Artenvielfalt spielt der Biber eine große Rolle. In seinen Revieren finden Insekten, Amphibien, Vögel und andere Tiere neue Rückzugsräume und Nahrungsangebote. Wo der Biber Bäume fällt und Ufer öffnet, kommt mehr Licht an den Boden – das fördert wiederum neue Pflanzenarten und macht die Landschaft abwechslungsreicher.

Kurz gesagt: Der Biber ist ein wichtiger Landschaftsgestalter. Er schafft mehr Vielfalt, mehr Wasser in der Fläche und wertvolle Lebensräume für viele andere Arten.

Richtet der Biber auch Schäden an?

Ja, der Biber kann auch Schäden verursachen, vor allem dort, wo seine Lebensweise auf intensiv genutzte Gewässerräume trifft. An Fließgewässern staut er Wasser auf, wodurch es zu Vernässungen, Rückstau oder Problemen an Uferwegen und angrenzenden Flächen kommen kann. Auch Uferunterhöhlungen und Schäden an Böschungen, Deichen oder Infrastrukturen sind möglich.

Bei Teichgewässern kann der Biber den Wasserstand beeinflussen, Ufer untergraben oder Anlagen beeinträchtigen, wenn das Gewässer in seinem Revier liegt und nicht ausreichend gesichert ist. In der Praxis entstehen Konflikte besonders dort, wo Teiche oder Gräben sehr nah an landwirtschaftlich oder technisch genutzte Flächen heranreichen.[1][3]

Wichtig ist aber die Einordnung: Der Biber richtet keinen „absichtlichen“ Schaden an, sondern folgt seiner natürlichen Lebensweise. Naturschutzfachlich ist er sehr wertvoll, weil er Lebensräume gestaltet, Wasser in der Landschaft hält und die Struktur von Gewässern verbessert. Deshalb braucht es meist keine pauschale Ablehnung, sondern frühzeitige Beratung, Prävention und ein gutes Bibermanagement.

Wo Konflikte entstehen, helfen frühzeitige Beratung, gute Prävention und ein sensibles Bibermanagement am besten weiter.

Was können wir für den Biber tun?

Der Biber braucht vor allem eines: Raum am Gewässer. Er lebt dort, wo Uferbereiche naturnah bleiben, Gehölze wachsen und er Nahrung sowie Baumaterial findet. Deshalb helfen breite, möglichst wenig genutzte Gewässerrandstreifen besonders gut. Der Biber verändert seinen Lebensraum selbst, indem er Dämme baut und Wasser aufstaut. So entstehen neue Feuchtbereiche, in denen auch viele andere Tier- und Pflanzenarten leben können.

Wer dem Biber helfen will, sollte Ufer nicht bis an die Kante intensiv bewirtschaften oder befestigen. Gehölze lassen sich mit Schutzmaßnahmen sichern, wenn sie besonders gefährdet sind. Auch Felder, Gärten und Anlagen in Gewässernähe brauchen bei Bedarf einen wirksamen Schutz. Kommt es zu Vernässungen oder Konflikten mit Dämmen und Bauten, sollte man frühzeitig Fachleute und Behörden einbeziehen.

Wichtig ist außerdem: Der Biber darf nur unter strengen rechtlichen Vorgaben gestört oder umgesetzt werden. Biberdämme und -baue darf man nicht eigenmächtig verändern. Wo es möglich ist, sollten gefällte Bäume oder Totholz am Gewässerrand liegen bleiben, damit der Biber sie weiter nutzen kann. Langfristig hilft vor allem ein Umdenken: mehr Raum für Auen, mehr Platz für Gewässer und mehr Bereitschaft, mit dem Biber statt gegen ihn zu leben.

Biber. Foto: Sven Möhring

Biber. Foto: Sven Möhring

Der Biber prägt Sachsens Gewässerlandschaft schon seit Jahrtausenden. Doch seine Bejagung führte im 19. Jahrhundert fast zu seiner vollständigen Auslöschung. Nur an der Mittelelbe überlebte eine kleine Population von etwa 200 Tieren, die zum Ausgangspunkt für die Rettung der gesamten Art wurde.

Heute leben wieder etwa 2.000 Biber in Sachsen. Ihre Rückkehr ist ein riesiger Erfolg des Naturschutzes und zugleich eine Chance für die sächsische Kulturlandschaft, die unter zunehmendem Wassermangel leidet. Denn der Biber ist Europas einziger natürlicher Wasserbaumeister! Durch seine Dämme wird Wasser in der Landschaft zurückgehalten, der Grundwasserspiegel angehoben und Hochwasserspitzen abgemildert. Der Biber ist die Antwort auf die drängendsten Fragen der Wasserkrise in Sachsen. 

Wo der Biber Bäche aufstaut, entstehen artenreiche Feuchtgebiete und somit Lebensräume für Libellen, Amphibien und seltene Wasservögel. Als Schlüsselart gestaltet er ganze Ökosysteme und fördert die Biodiversität.


Der Biber in sächsischen Teichgebieten | Bewährte Lösungsansätze aus NABU-Gruppen in Sachsen

1.2 MB - 2026_Biber in sächsischen Teichlandschaften_Infopapier NABU Sachsen.pdf
 

Konflikte und Lösungen

Biberburg. Foto: Gottfried Kohlhase

Biberburg. Foto: Gottfried Kohlhase

Doch nicht überall ist der Baumeister der Natur willkommen. Wenn Biber und Menschen aufeinandertreffen, gibt es auch Konflikte.

Wenn der Biber Wasser aufstaut, überflutet er mitunter Felder und Wälder. Er fällt Bäume in Forst- und Obstbaumkulturen und frisst gern Feldfrüchte wie Mais und Zuckerrüben. In der Teichwirtschaft können seine Dämme den Wasserhaushalt stören und Anlagen beschädigen.

Diese Konfliktsituationen entstehen meist dort, wo intensive menschliche Nutzung der Ufer auf die Lebensweise des Bibers trifft. Dort, wo diese heimische Tierart lange abwesend war, hat der Mensch verlernt, mit dem Biber zu leben. Der Schaden, den er anrichtet, ist jedoch im Verhältnis zu seinen Verdiensten an der Natur und dem natürlichen Hochwasserschutz zu sehen. 

Ein konfliktarmes Nebeneinander ist möglich – aber nur, wenn der Mensch lernt, mit dem Biber zu leben und ihm ausreichend Raum zugesteht. 


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Biber - Foto: Gottfried Kohlhase

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