Vom großen Glück mit den Schwalben
Biohof, Dreiseithof, Schildbürger, Fleischerei, Hofgut
Voller Freude postete Familie Hilsebein ihr Foto mit Schwalbenplakette und schickte es zur Veröffentlichung an den NABU. Foto: Cindy Hilsebein
Ich werde diese Tiere immer bei mir willkommen heißen, auch ohne die Auszeichnung vom NABU, so schrieb uns Steffi Buchholz aus Mügeln. Der NABU Oschatz zählte bei ihr im April 2025 bei der Übergabe der Plakette 15 Rauchschwalbennester. Ähnliches Glück fühlt Familie Mönch aus Frohburg, bei ihr geht die Ankunft der Mehl- und Rauchschwalben jedes Jahr mit Aufregung und Freude einher. Im Frühjahr überbrachte die NABU-Naturschutzstation Teichhaus Eschefeld, jetzt Naturschutzstation Schloss Prießnitz, die Auszeichnung für den liebevoll restaurierten Dreiseithof. Seit 1978 kennen die Rauchschwalben auch den Hof der 120 Jahre bestehenden Fleischerei in Röcknitz und Berndt Hilsebeins Familie ist voller Glück über den Nachwuchs in diesem Jahr. Sogar eine winzige quadratische Öffnung weit oben im Tor (wenn das Tor mal nicht offen steht) wird als Durchflug genutzt. Erstaunlich eng, doch wenn Kopf und Bauch durchpassen, passt alles andere auch.
Plakette am Tor verrät Schwalbenbesitz
Christoph Dietze mit Schwalbenplakette und seinen Schafen. „Schwalben gehören zum Dorfleben dazu“, so seine Meinung. Ganz unkompliziert installiert die Familie jedes Jahr einfache Papp-Kotbretter zum Schutz vor Verschmutzung. Foto: Ina Ebert
Familie Christoph Dietze aus Leulitz ist gern über Land unterwegs und kehrt hin und wieder im Gasthof Fuchs ein. Und siehe da, die Schwalbenplakette am Tor und ein schöner NABU-Beitrag über die Auszeichnung des Gasthofpaares Anett und André mit der 1000. Schwalbenplakette inspirierten sie, sich ebenfalls mit ihren Schwalben für die Ehrung zu bewerben. Eine ähnliche Begebenheit ereignete sich in Behlitz bei Eilenburg. Dort ziert Familie Zehrfeldts Plakette seit 2018 das Hoftor und im Sommer auch mancher Schwalbenklecks.
Schwalbenplakette für Familie Rudolph. Foto: Ina Ebert
Die junge Familie Rudolph aus dem Nachbarort Pressen wurde auf das Schild aufmerksam und schickte ihre Bewerbung an den NABU. Sie behütet Nester im ehemaligen Schweinestall und in der Scheune des alten Bauerngehöfts und ist nun ebenfalls glückliche Besitzerin der Plakette „Hier sind Schwalben willkommen“. Und schon zeigt ein weiteres Hoftor Schwalbenbesitz.
Eine neue Geschichte der Schildbürger?
In den schönen Lehmnestern der Schildauer Fensternischen werden junge Mehlschwalben eifrig gefüttert. Foto: Matthias Schrack
Den Schildbürgern sagt man bekanntlich allerhand Streiche nach, und dass sie alles, was sie anpackten, verkehrt machten. Wenn es um ihre Schwalben geht, scheinen sie pfiffiger zu sein. Man könnte meinen, direkt am Schildauer Markt befindet sich die Schwalbenstraße, denn in zahlreichen Fensternischen herrscht reger Anflug an den Mehlschwalbennestern. Der Dreck bleibt nicht ganz aus, doch das Glück überwiegt, so auch bei Berndt Krieglsteiner, der gleich fünf Nester an der Südseite seines Wohnhauses und seit Juni 2025 auch eine Plakette besitzt. Die Stadtverwaltung Schildau hat gleichen Reichtum in ihren Fensternischen, vielleicht ist sie demnächst ebenfalls Plakettenbesitzerin.
Glück auf dem Biohof
Neugierig auf die Auszeichnung von Familie Timm waren auch die Schweine und gesellten sich dazu. Foto: Ina Ebert
Das Glück bei der Übergabe der Schwalbenplakette steht Familie Timm ins Gesicht geschrieben. Sie betreibt den Biohof Großbardau bei Grimma in der 6. Familiengeneration. Eine kleine Mutterkuhherde, eine Muttersau, einige Ferkel und Schafe sowie Ackerbau zeugen von ihrem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Rauchschwalben haben hier ein gutes Auskommen, doch in diesem Jahr sind nur wenige zurückgekehrt. In der Nachbarschaft bei Familie Colditz-Winkler sind sie leider ganz ausblieben.
Silke Krostitz vom Hüfnergut Behlitz, wurde am 21. Juni 2025 mit der Schwalbenplakette geehrt. Foto: Ina Ebert
Größeres Glück hat Familie Krostitz vom Hüfnergut in Behlitz in Nordsachsen. Bei ihr haben die Mehlschwalben zahlreiche Nester in die Nischen der Klinkerfassade ihres Hauses gebaut und füttern unermüdlich ihren Nachwuchs. Der Gäa1(#_msocom_1) -Betrieb baut unter anderem Blaumohn, Hafer, Leindotter und Urgetreide an, vermarktet Mohnöl und Leindotteröl und hat seit 2025 einige seiner Feldflächen für die Auswilderung gezüchteter Feldhamster zur Verfügung gestellt. Vom NABU erhielt das Hofgut Fördermittel im Rahmen des Projekts „Gemeinsam Boden gut machen“ und wurde 2022 für die erfolgreiche Umstellung auf Ökolandbau ausgezeichnet. Nun überreichte der NABU Sachsen zur Sommersonnenwende für die Akzeptanz der Schwalben eine weitere besondere Auszeichnung, die Plakette „Hier sind Schwalben wilkommen“.
Zum Glück gesellt sich immer mal wieder das Unglück
Schwalben wissen zum Glück nichts von Haushaltkürzungen im Naturschutz, sie kehren trotzdem jedes Jahr zu ihren Nestern zurück. Wenn sie es schaffen. In diesem Frühjahr scheinen viele im Süden geblieben zu sein, weil sich ihr Rückflug verspätete und sie vielleicht nicht mehr fit genug für den Weiterflug waren. Zahlreiche Schwalbenfreunde warteten vergeblich, auch in Großbardau und Albrechtshain sind die Rauchschwalben ausgeblieben oder nur einzelne Paare angekommen.
Ganz Anderes geschah in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Von dort erreichte den NABU Sachsen ein verzweifelter Hilferuf von Bürgerinnen, die nicht verhindern konnten, dass die ankommenden Schwalben im Frühjahr alle ihre 40 Mehlschwalbennester an einem Edeka-Markt mit Bauschaum verschlossen vorfanden, dafür aber zwei Schwalbentürme errichtet waren. Eine Fehlentscheidung der Behörde, denn niemals dürfen alle Nistplätze auf einmal verschlossen werden, auch mit Ersatzangebot nicht. Schwalben brauchen dringend eine Umgewöhnungszeit und müssen neue Nistplatzangebote erst entdecken. Der NABU Mecklenburg-Vorpommern wurde darüber informiert und um Mithilfe gebeten. Bei dem Telefonat mit der Unteren Naturschutzbehörde vor Ort gab es jedoch keine Hintertüren mehr, da die Genehmigung zum Verschluss der Nester durch sie schon erteilt war. Leider konnte der NABU bei einer Vorortkontrolle am 14. Juni keine Tiere mehr sichten, nicht an den mit Bauschaum verschlossenen Nestern und nicht an den Ersatztürmen.
Unsere dringende Bitte ist es deshalb, sich bei ähnlichen Vorgängen schnellstmöglich an den NABU und an kompetente Ornithologen zu wenden, damit sich solche Ereignisse nicht wiederholen!
Schwalben willkommen und Bewerbung für die Plakette Schwalben willkommen
