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Bericht

14. Sächsischen Ornithologentagung des NABU Sachsen

Am 5. September versammelten sich mehr als 70 Ornithologen, Wissenschaftler und Naturschützer in Siebenlehn. Der Landesfachausschuss Ornithologie und Vogelschutz des NABU Sachsen widmete die Tagung den Vogelarten des Offenlandes und stellte das Rebhuhn in das Zentrum.

14. Sächsische Ornithologentagung des NABU Sachsen. Foto: Bärbel Franzke / Grafik: Uwe Schroeder

14. Sächsische Ornithologentagung des NABU Sachsen. Foto: Bärbel Franzke / Grafik: Uwe Schroeder

Winfried Nachtigall, Vorsitzender des NABU-Landesfachausschusses, eröffnete die Tagung. In ihrem Grußwort ging danach die Landesvorsitzende des NABU Sachsen, Maria Vlaic, auf das Schwerpunktthema der Tagung ein. Die Ernennung zum Vogel des Jahres 2026 sei kein Zeugnis erfolgreicher Schutzbemühungen, sondern ein dringender Hinweis auf akuten Handlungsbedarf. Arten der offenen Agrarlandschaft drohen aus Sachsen zu verschwinden, wenn ihre Lebensgrundlagen nicht gezielt wiederhergestellt werden.

Dies bestätigte Winfried Nachtigall, Vorsitzender des NABU-Landesfachausschusses, mit Blick auf die Bestandsentwicklung in den letzten Jahrzehnten in Sachsen, machte aber auch deutlich, dass diese dramatische Entwicklung nicht alle Vogelarten der Agrarlandschaft teilen. Die Bestände von Wiedehopf und Bienenfresser beispielsweise haben zugenommen. Ein Grund zu Freude und Hoffnung, aber nicht zur Entwarnung! Es zeigt, dass Maßnahmen greifen können. Einigen Arten spielt aber auch der Klimawandel in die Hände. Neben Arten, die ihren Bestand aufbauen konnten, zählen Arten wie Kiebitz, Rebhuhn und Birkhuhn hingegen zu den deutlichen Verlierern. Sie weisen erhebliche Einbrüche auf. Beim Rebhuhn fiel der Rückgang besonders drastisch aus. Der aktuelle Bestand erreicht nur noch etwa ein Prozent des Werts der Brutvogelkartierung von 1978/82 - es steht damit kurz vor dem Aussterben. Sachsen wäre das erste Bundesland, in dem das Rebhuhn verschwände.


Ursachen und Gegenmaßnahmen

Referenten und Tagungsteilnehmer gingen im Verlaufe des Tages den Ursachen nach und beschäftigten sich vor allem mit den Erfolgsaussichten verschiedener Gegenmaßnahmen in der Feldflur. Eckard Gottschalk  von der Universität Göttingen erläuterte aus den Erfahrungen des Projekts „Rebhuhn retten! Vielfalt fördern.“, wie Schutzmaßnahmen der Lebensweise des Rebhuhns und seiner Prädatoren integrieren müssen. Besonders verwies er darauf, dass lineare und schmale Strukturen nicht ausreichend Schutz vor Prädatoren böten, was ein großen Teil der Bedrohung ausmache. Die Verbindung lichten Bewuchses und dichter Versteckmöglichkeiten auf größeren Flächen hat sich am ehesten bewährt.

Dies bestätigte Thomas Fischer von der Grünen Liga Hirschstein und stellte seine praktischen Erfahrungen mit großflächig angelegten Hecken in der Agrarlandschaft vor. Bereits im zweiten Standjahr führte das zu nachgewiesenen Bruterfolgen, wie auch die aktuelle Brutvogelkartierung zeigt. Hier findet sich der sachsenweit größte Rebhuhnbestand.

Einen Ausflug in die Welt der Rebhuhngenetik wurde von Wissenschaftlern des Senckenberg-Museums Dresden unternommen. Martin Päckert und Frederik Albrecht betrachteten die genetischen Folgen des Bestandseinbruchs, die letztlich ebenfalls einen Gefährdungsfaktor darstellen. Anhand historischer Museumsexponate und Proben lebender Tiere wiesen sie nach, wie stark die genetische Vielfalt des sächsischen Rebhuhns mit den schrumpfenden Beständen verloren ging und wie sich die Genetik von Rebhühnern anderer Orte auf der ganzen Welt unterscheiden. Informationen, die auch bei etwaigen Zucht- und Auswilderungsprogrammen eine Rolle spielen. Hier schloss Eckard Gottschalk von der Universität Göttingen erneut an und berichtete von Erfolgen und Misserfolgen der Zucht von Rebhühnern. Er warnte davor, in der Zucht einen Ersatz zu Schutzmaßnahmen zu sehen. Denn zum einen stellt die intensive Landbewirtschaftung auch für Zuchttiere eine relevante Bedrohung dar. Zum anderen zeigen Zuchterfahrungen, dass Gehegehaltung deutlich schwieriger ist als bei anderen Arten und wichtige Eigenschaften, die das Überleben in der freien Natur sichern, im Rahmen der Zucht geschwächt werden oder ganz verschwinden. Der Schwerpunkt muss in jedem Fall die Verbesserung der Lebensräume des Rebhuhns sein, um den Bestand wieder aufzubauen und nachhaltig stabilisieren zu können.


Nationaler Wiederherstellungsplan

Heiner Blischke (Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) gab einen Überblick über den aktuellen Stand der behördlichen Arbeit im Vogelschutz. Dabei ging er auf die Arbeiten am nationalen Wiederherstellungsplan der EU-Wiederherstellungsverordnung ein. Im sächsischen Fokus stehen demzufolge neun Vogelarten der (halb-)offenen Landschaft – das Rebhuhn inbegriffen. Speziell für diese Arten werden Schutzmaßnahmen zu Wiederherstellung und Erhaltung der Lebensräume erarbeitet, die im Rahmen der Wiederherstellungsverordnung schrittweise bis 2050 begonnen werden müssen.

Zum Abschluss zeichnete Eberhard Flöter die Entwicklung der Chemnitzer Vogelwelt nach, in der das Rebhuhn bereits vor zwanzig Jahren verschwand.

Die 14. Sächsische Ornithologentagung zeigte, vor welchen vielfältigen Herausforderungen der Vogelschutz in Sachsen nach wie vor steht. Zugleich wurde deutlich, wie viele Fachleute und im Vogelschutz Aktive sich für den Erhalt der sächsischen Vogelwelt einsetzen.

In einem Offenen Brief an den sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch fordern der NABU Sachsen und sein Landesfachausschuss für Ornithologie und Vogelschutz im Anschluss an die Tagung nun konkrete Maßnahmen zum Schutz des Rebhuhns und seiner Lebensräume.


Rebhuhn. Foto: Matthias Schäf

Offener Brief an Umweltminister

Maßnahmen für das Rebhuhn gefordert

Sachsen könnte das erste Bundesland werden, in dem das Rebhuhn ausstirbt. Diese Warnung äußerten Ornithologen, Wissenschaftler und Naturschützer auf der 14. Ornithologentagung des NABU Sachsen (5. September in Siebenlehn). Mehr →

Gedenken

Die Tagungsteilnehmer gedachten der verstorbenen Mitglieder der vergangenen Jahre. Winfried Nachtigall, Vorsitzender des sächsischen NABU-Landesfachausschusses Ornithologie, erinnerte namentlich an Wilfried August, Christian Schulze, Siegfried Dankhoff, Siegfried Gonschorek, Ralf Mäkert, Dieter Wend, Werner Limmer, Karlheinz Meyer, Lothar Heinze und Thomas Krönert.

Die Tagung wurde von der Akademie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) unterstützt.




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Löbauer Straße 68
04347 Leipzig

Fon: 0341 337415-0 | Fax: -13
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