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Sachsen steuert auf die Elbüberleitung zu

Naheliegende naturbasierte Lösungen bleiben ungeprüft

Die sächsische Regierung lässt derzeit technische Möglichkeiten prüfen, wie Wasser aus der Elbe in die Spree umgeleitet werden kann. Welche ökologischen Ursachen die Wasserknappheit der Spree haben, wird dabei nicht bedacht.

Eisenschlamm bei Talsperre Spremberg, Eisenhydroxid-Belastung ist deutlich sichtbar. Foto: NABU/Hartmut Rauhut

Eisenschlamm bei Talsperre Spremberg, Eisenhydroxid-Belastung ist deutlich sichtbar. Foto: NABU/Hartmut Rauhut

28. Mai 2026 - Die sächsische Staatsregierung prüft derzeit, Wasser aus der Elbe in die Spree umzuleiten, um den massiven Rückgang der Zuflüsse nach dem Ende der bergbaubedingten Sümpfungswässer aus ehemaligen Tagebauen zu kompensieren. Eine Studie zu möglichen Trassen und Entnahmemengen soll erste Ergebnisse Anfang 2027 liefern. Das geht aus Antworten auf zwei kleine Anfragen an die sächsische Regierung hervor.

Der NABU Sachsen kritisiert, dass damit faktisch ein großtechnisches Umleitungsprojekt vorbereitet wird, bevor die ökologischen Ursachen der Wasserkrise ernsthaft angegangen werden. Eine solche Fixierung auf technische Eingriffe drohe, die Probleme lediglich zu verlagern statt zu lösen, und zwar mit erheblichen finanziellen Risiken und möglichen ökologischen Kollateralschäden.

Stattdessen fordert der Verband einen sofortigen Kurswechsel hin zu Renaturierung, Flussaufwertung und Maßnahmen zur Wiederherstellung natürlicher Wasserretention in der Landschaft. Ohne diesen Richtungswechsel drohe ein weiteres milliardenschweres Infrastrukturprojekt, das Symptome behandelt, aber die Wasserknappheit strukturell verschärfen könnte.

„Die Spree benötigt deutlich mehr Wasserrückhalt in der Fläche – durch intakte Auen, wiedervernässte Feuchtgebiete und Landschaften, die Wasser speichern statt es schnell abzuleiten“, sagt Maria Vlaic, Landesvorsitzende des NABU Sachsen. „Ein weiterer technischer Eingriff verschiebt das Problem nur und verfestigt die Abhängigkeit von wasserbaulichen Steuerungsmaßnahmen, statt sie schrittweise zu reduzieren.“

Eine geplante Elbe-Überleitung folgt dem alten Muster, Wasser technisch in ein System zu bringen, das seine natürliche Speicherfähigkeit weitgehend verloren hat. Das bedeutet in der Umsetzung hohe Planungs- und Genehmigungsaufwände, erhebliche Investitionskosten sowie langfristige Betriebs- und Wartungsstrukturen. Die zugrunde liegenden Ursachen der Wasserknappheit und Trockenheit, wie beschleunigter Abfluss, entwässerte Böden sowie vom Fluss abgekoppelte Auen, bleiben dabei bestehen oder verschärfen sich sogar weiter.

Demgegenüber setzt die naturbasierten Alternativen im Einzugsgebiet selbst an. Wiederverbundene Auen, reaktivierte Altarme, funktionierende Moore und weniger entwässerte Böden bilden eine Infrastruktur des Wasserrückhalts. So werden Abflussprozesse verlangsamt, die Grundwasserneubildung unterstützt und Trocken- wie Hochwasserphasen ausgeglichen.

Entlang der sächsischen Spree zeigen mehrere FFH-Gebiete, dass dieses ökologische Potenzial trotz starker Eingriffe noch vorhanden ist. Entscheidend ist jetzt die konsequente Umsetzung entsprechender Maßnahmen. Die rechtlichen Grundlagen für eine solche Ausrichtung sind auf EU-Ebene bereits geschaffen. Mit der EU-Wiederherstellungsverordnung gelten verbindliche Ziele zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme, insbesondere von Flüssen, Auen und Mooren. Sachsen ist verpflichtet, dies konsequent umzusetzen und eine übergreifende Strategie zu entwickeln, die den Wasserhaushalt im gesamten Einzugsgebiet systematisch stärkt.

In der dritten Episode des SPREECAST spricht die NABU-Landesvorsitzende Maria Vlaic über die langfristigen Folgen des Bergbaus, strukturelle Fehlentscheidungen in der Wasser- und Regionalplanung der vergangenen Jahrzehnte sowie die Frage, welche infrastrukturellen und ökologischen Maßnahmen ein stabiles Flusssystem künftig sichern können.


„Die Spree im Wandel: Technisches Monument oder lebendiger Fluss?“
https://spreecast.riverside.com

Wasserhaushalt Lausitz: Wasser in der Landschaft halten – Trinkwasserversorgung sichern
Download:
Positionspapier des NABU Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg


Elbe in Dresden. – Foto: Maria Vlaic

Kohleausstieg: Elbewasser in der Spree?

Unsere Position zur Studie des Umweltbundesamtes

Die Lausitz wird zukünftig enorm mit Dürreperioden zu kämpfen haben, die sich auf den Spreewald bis hin zur Wasserversorgung Berlins auswirken werden. Das liegt nicht nur am Klimawandel, sondern auch an den Folgen des Braunkohleabbaus in der Lausitz. Mehr →

Ein Ziel des Positionspapiers ist die Renaturierung von Flüssen. Foto: NABU / Volker Gehrmann

Nach dem Tagebau in der Lausitz

NABU Verbände fordern naturbasierte Lösungen

Das Ende der Lausitzer Tagebaue stellt den Wasserhaushalt vor große Probleme. Rein technische Lösungen sind teuer und ein Risko für die Natur. Die NABU-Verbände von Sachsen, Brandenburg und Berlin plädieren in ihrem Positionspapier für naturbasierte Lösungen. Mehr →

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