„Grünes Band Sachsen“ ist Nationales Naturmonument
35 Jahre Engagement für ein einzigartiges Naturschutzprojekt
Schäfer Michael Ulsamer mit seiner Schafherde bei Ullitz. Foto: Hellmut Naderer
26. Mai 2026 - Seit 35 Jahren setzt sich der NABU Sachsen, besonders der Regionalverband Vogtland, gemeinsam mit dem BUND Bayern für den Schutz des „Grünen Bandes Sachsen“ ein. Nach der Ausweisung einer Perlenschnur von Schutzgebieten bemühen sich Naturschützer seit Jahren, das gesamte „Grüne Band Deutschland“ als „Nationales Naturmonument“ unter besonderen Schutz zu stellen. Ziel ist es, Natur und Erinnerungskultur gleichermaßen zu bewahren. Nach Thüringen (2018), Sachsen-Anhalt (2019), Brandenburg (2022) und Hessen (2023) hat nun auch Sachsen das „Grüne Band Sachsen“ am 29. April 2026 als Nationales Naturmonument anerkannt.
Wo einst NATO und Warschauer Pakt aufeinandertrafen, konnte sich die Natur 40 Jahre lang fast ungestört entwickeln. Im ehemaligen Grenzstreifen entwickelten sich naturnahe Biotope, die seltenen Arten eine Zuflucht boten - Arten, die in der intensiv genutzten Kulturlandschaft kaum überlebt hätten. Nach der Wiedervereinigung entbrannte eine Debatte über die künftige Nutzung der Grenzareale. Naturschützer aus Ost und West erkannten das Potenzial des 1.400 Kilometer langen Streifens, der sich quer durch Deutschland zieht. Bereits im Dezember 1989 entstand die Idee, den ehemaligen Grenzstreifen zum „Grünen Band“ und damit zum größten Biotopverbund Deutschlands zu machen.
Das Besondere an diesem Naturschutzpojekt ist, dass es länderübergreifend gesichert wurde. Mit einer Breite von 50 bis 1.000 Metern schlängelt sich das Grüne Band von Priwall an der Ostsee bis zum Dreiländereck von Bayern, Tschechien und Sachsen. Es ist heute Teil des „European Green Belt“, der den ehemaligen Eisernen Vorhang auf europäischer Ebene markiert. Mit 12.500 Kilometern Länge reicht dieser Biotopverbund von der Nordgrenze Norwegens bis zum Schwarzen Meer und gilt als größte Naturschutzinitiative Europas.
Das Grüne Band wird kontinuierlich weiterentwickelt - fachlich wie rechtlich. Die Verordnung zum Nationalen Naturmonument „Grünes Band Sachsen“ sichert das Gebiet, das aus acht Naturschutzgebieten, zwei Flächennaturdenkmalen, drei geschützten Landschaftsbestandteilen und kulturhistorischen Objekten besteht, rechtlich ab. Diese Schutzkategorie betont sowohl den ökologischen Wert als auch die historische Bedeutung der ehemaligen Grenze.
Das „Grüne Band Sachsen“ umfasst 761 Hektar, von denen 51 Hektar dem NABU gehören. Es erstreckt sich von Grobau über Wiedersberg bis Ebmath im sächsischen Vogtland. Hier finden sich artenreiche Grünländer, höhlen- und totholzreiche Wälder, Feuchtwiesen, Fließ- und Stillgewässer sowie andere schützenswerte Biotope. Sie bieten Lebensraum für mehr als 2.250 Tier- und Pflanzenarten, darunter 260 gefährdete.
Der NABU trug mit Kartierungen, Pflegeeinsätzen, Umweltbildung und fachlicher Beratung zum Schutz des Grünen Bandes bei. Auch politisch setzte sich der Verband ein und unterstützte Behörden. Seit 1996 arbeitete der NABU daran, das Grüne Band Sachsen vollständig als FFH-Gebiet anerkennen zu lassen - mit Erfolg. Heute ist es zusätzlich als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Seit 1999 kaufte der NABU Flächen, um sie dauerhaft zu sichern. Zudem verhinderten die Aktiven den geplanten Neubau der A93, der das Grüne Band zwölfmal gekreuzt und stark beeinträchtigt hätte.
