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Auswertung „Stunde der Wintervögel 2026"

Große Rückgänge bei Spatzen

Die Auswertung der diesjährigen „Stunde der Wintervögel" ist abgeschlossen. Die Ergebnisse zeigen einen kontinuierlichen Rückgang der beobachteten Vögel. Vor 15 Jahren wurden in Sachsen 27 Prozent mehr Vögel pro Garten gesichtet als heute.

Feldsperling. Foto: Bärbel Franzke

Feldsperling. Foto: Bärbel Franzke

27. Januar 2026 - Die Auswertung von Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel" von NABU und LBV ist abgeschlossen. In Sachsen machten am zweiten Januarwochenende 6674 Vogelfreunde bei der Zählaktion mit und meldeten insgesamt 149.423 Vögel in 4399 Gärten. Damit blieb die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr in etwa konstant. Der Haussperling (Passer domesticus) behauptete sich knapp auf dem ersten Platz der am häufigsten beobachteten Arten, verzeichnete jedoch im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 17 Prozent bei der durchschnittlichen Anzahl pro Garten. Auch beim Feldsperling - Platz 4 - ist ein starker Rückgang zu verzeichnen (-22% Anzahl pro Garten zum Vorjahr). Dies spiegelt einen anhaltenden negativen Trend für den einstigen Allerweltsvogel wider. Als Gebäudebrüter sind Spatzen durch Fassadensanierungen und weniger Hecken und Sträucher in städtischen Gebieten besonders belastet.

Die Kohlmeise (Parus major) sicherte sich den zweiten Rang und zeigte eine gleichbleibende Entwicklung mit einem Zuwachs von 4 Prozent, wie auch die Blaumeise (Cyanistes caeruleus) (- 2%) auf Platz drei. Die Amsel (Turdus merula) auf Platz fünf zeigte eine leichte Erholung im Vergleich zum starken Einbruch im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von 4 Prozent.

Das strenge Winterwetter mit geschlossener Schneedecke und Frost beeinflusste die Zählung maßgeblich. Während Wasservögel aufgrund zugefrorener Gewässer seltener gemeldet wurden, zogen die winterlichen Bedingungen viele Vögel zu den Futterstellen. Dies könnte die beobachteten Zahlen beeinflusst haben und erklärt möglicherweise die vermehrten Sichtungen von Arten wie Kranichen (+225%), die eine Winterflucht zeigten, Rotkehlchen (+23%) sowie von Schwanzmeisen (+21%), die aus dem Norden eingewandert sein könnten.


Deutschlandweite Auswertung

Deutschlandweit haben 145.000 Menschen bei der „Stunde der Wintervögel“ mitgemacht und mehr als 3,27 Millionen Vögel in über 102.000 Gärten und Parks gezählt. „Das ist das drittbeste Teilnehmenden-Ergebnis aller 16 Zählungen und ein Plus von etwa 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, freut sich NABU-Naturschutzexperte Julian Heiermann. Er vermutet: „Schnee und Frost haben für das passende Winter-Feeling gesorgt, so dass viele Menschen Lust hatten, sich mit den Wintervögeln im Garten zu beschäftigen.“

Weniger erfreulich sind die Ergebnisse der Zählung. Mit im Schnitt gesichteten 32 (in Sachsen ca. 34) Vögeln wurden noch nie so wenig Individuen pro Garten oder Park gemeldet wie in diesem Jahr. Zur ersten Zählung 2011 waren noch 45,8 Vögel (in Sachsen ca. 47) im Durchschnitt gemeldet worden. „Über die vielen Jahre ,Stunde der Wintervögel‘ lässt sich leider ein stetiger Abwärtstrend beobachten“, stellt Heiermann fest. „Damit reihen sich auch häufige Arten, wie Amseln, Meisen, Finken und Spatzen in den zunehmenden Schwund der Vogelbestände ein, wenn es auch hier nicht so dramatisch abwärts geht, wie das bei den Agrarvögeln der Fall ist.“


Spatzenverluste an der Spree

Besonders auffällig ist der große Rückgang der beiden Spatzenarten. Bundesweit wurden sie 15 Prozent (Haussperling) und 10 Prozent (Feldsperling) seltener gesichtet als im Vorjahr. Am stärksten betroffen ist Berlin: Die Sichtungen des Feldsperlings lagen in diesem Jahr um 30 Prozent niedriger als 2025, beim Haussperling sind es sogar 45 Prozent weniger. „Wo all die Spatzen hin sind, müssen wir nun genauer untersuchen“, so Heiermann. „Klar ist, dass Brutplatz- und Nahrungsmangel seit Jahren ein Problem für die beiden Arten sind. In Berlin könnten ungünstige Witterungsbedingungen in diesem Jahr den Rückgang verstärkt haben.“

Wo Verlierer sind, gibt es auch Gewinner: Kohlmeise, Blaumeise, Amsel, Buchfink und Rotkehlchen kamen teils deutlich häufiger als im Vorwinter an die Futterhäuser. Auf diese fünf Arten entfällt in nahezu allen Regionen der Löwenanteil an Zunahmen. Von den mittelhäufigen Arten zeigten unter anderem Schwanzmeisen, Goldammern und Zaunkönige Beobachtungsanstiege.

Trotz seines Negativtrends liegt der Haussperling bundesweit immer noch ganz vorn in der Rangliste der am häufigsten gesichteten Vögel. Es folgen Kohlmeise, Blaumeise, Amsel und Feldsperling.


Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und wird vom NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) durchgeführt. Die Aktion liefert in enorm hoher Auflösung Daten zur Winter-Bestandsentwicklung häufiger Arten des Siedlungsraums. Je größer die Teilnahmezahlen und je länger die Zeitreihe, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Die nächste Zählaktion ist die „Stunde der Gartenvögel“ und findet vom 8. bis 10. Mai statt.


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