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    Foto: NABU / Helge May
    Flächenverbrauch
  1. Umwelt & Ressourcen
  2. Flächenverbrauch
  • Flächenverbrauch in Sachsen
  • Was ist Flächenverbrauch?
Vorlesen

Flächenverbrauch in Sachsen

In Sachsen werden täglich große Flächen für Siedlungen, Verkehr und andere Nutzungen in Anspruch genommen. Damit gehen wertvolle Böden und Lebensräume verloren, Landschaften werden zerschnitten und natürliche Funktionen beeinträchtigt.

Sachsen hatte sich deshalb das Ziel gesetzt, die tägliche Flächenneuinanspruchnahme bis 2020 auf höchstens zwei Hektar zu begrenzen. Dieses Ziel wurde deutlich verfehlt. Zwar ist der Flächenverbrauch in den vergangenen 10 bis 15 Jahren zurückgegangen, aktuell werden in Sachsen jedoch noch immer mehr als vier Hektar Fläche pro Tag (Jahresmittelwert im Zeitraum 2021 bis 2024) neu in Anspruch genommen, also doppelt so viel wie angestrebt.

Die deutliche Reduzierung des Flächenverbrauchs bleibt damit eine zentrale Forderung für uns. Weniger neue Flächen für Siedlung und Verkehr zu nutzen, schützt Böden und Lebensräume, erhält zusammenhängende Lebensräume und trägt dazu bei, die Folgen der Biodiversitäts- und Klimakrise zu begrenzen.

In ganz Deutschland werden täglich rund 50 Hektar Fläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke neu in Anspruch genommen². Damit liegt der Flächenverbrauch deutlich über den definierten politischen Zielmarken:

  • Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (2002): Reduzierung des täglichen Zuwachses auf unter 30 Hektar bis 2020
  • Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (Aktualisierung 2016): Reduzierung auf weniger als 30 Hektar pro Tag bis 2030
  • Integriertes Umweltprogramm 2030 des BMU: Reduzierung auf maximal 20 Hektar pro Tag bis 2030
  • Ressourcenstrategie der EU und Klimaschutzplan der Bundesregierung: Erreichen einer „Netto-Null“ (Flächenkreislaufwirtschaft) bis 2050

Was ist Flächenverbrauch?

Flächenverbrauch wird häufig fälschlicherweise mit Versiegelung gleichgesetzt:

Versiegelung meint den luft- und wasserdichten Abschluss des Bodens durch Bebauung, Asphaltierung oder starke Verdichtung. Flächenverbrauch beschreibt hingegen allgemein die Nutzungsänderung von Natur- oder landwirtschaftlicher Fläche.

Straße ins Nichts - Foto: Philipp Steuer

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Sieben Verbände fordern Schutz der Natur- und Kulturlandschaft

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Versiegelung

Die Versiegelung von Böden führt zum unwiederbringlichen Verlust zentraler Bodenfunktionen. Dazu zählen insbesondere die Versickerungs-, Filter- und Speicherkapazitäten intakter Böden, von denen wir sowohl bei Starkregen- und Hochwasserereignissen als auch in Dürreperioden maßgeblich profitieren. Durch die Überbauung gelangen weder Wasser noch Sauerstoff oder Sonnenlicht in das Erdreich. In der Folge geht nicht nur die Bodenfruchtbarkeit verloren, sondern auch der Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten sowie Mikroorganismen (das sogenannte Edaphon).

Gleichzeitig entfällt die natürliche Filterfunktion der Vegetation, die Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft bindet. Auch die ausgleichende Klimafunktion von Boden und Bewuchs wird dauerhaft zerstört: Es entstehen urbane Hitzeinseln, während Kaltluft- und Frischluftschneisen abgeschnitten werden.

Im Gegensatz zu einzelnen Tier- und Pflanzenarten oder punktuellen Gehölzstrukturen lassen sich diese komplexen Ökosystemleistungen nicht „umsiedeln“ oder andernorts gleichwertig ersetzen. Damit geht der direkte Nutzen intakter Natur für die Bevölkerung vor Ort verloren. Die Versiegelung von Freiflächen ist daher längst nicht mehr nur ein Naturschutzanliegen, sondern verursacht auch erhebliche volkswirtschaftliche Folgeschäden durch den Wegfall dieser Ökosystemleistungen – ein Aspekt, der in Planfeststellungsverfahren und kommunalen Abwägungsprozessen bislang keine Berücksichtigung findet.

Nach Schätzungen der sächsischen Landesregierung sind landesweit bereits über 1.070 km² Fläche versiegelt⁴. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften⁵ aus dem Jahr 2021 beziffert den Anteil der Bodenversiegelung im Freistaat Sachsen auf 10,7 Prozent (rund 198.073 Hektar).


Ökosystemleistungen

Ökosystemleistungen schlagen eine Brücke zwischen ökologischen und ökonomischen Ansprüchen. Das Konzept versucht, den Funktionen einer intakten Natur einen ökonomischen Wert zuzuordnen, um die Leistungen und den Nutzen der Natur sichtbar und beispielsweise bei Bauvorhaben kalkulierbar zu machen. Zwar ist dieser Ansatz aus ethischen Gründen nicht unumstritten, er liefert jedoch eine Argumentationsgrundlage für den Naturschutz.

Bäume. Foto: Perry Wunderlich

Wie gut schützt uns die Natur noch?

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Entsiegelung

Die Entsiegelung nicht mehr genutzter Industrie- und Gewerbebrachen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, darf jedoch keinesfalls als Freibrief oder gleichwertiger Ausgleich für neue Flächenversiegelungen missverstanden werden. Bis ein ehemals versiegelter Boden seine natürlichen Bodenfunktionen und ökologischen Kreisläufe wieder vollständig erfüllt, vergehen oft Jahrzehnte langwieriger Regenerationsprozesse, die zudem mit erheblichen Kosten verbunden sind.

Dass die bisherigen Entsiegelungsbemühungen dem tatsächlichen Flächenfraß kaum etwas entgegensetzen können, zeigen die Zahlen der Landesebene: Die Ökoflächenagentur des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement entsiegelte im Zeitraum von 2020 bis 2024 durchschnittlich gerade einmal 2,7 Hektar pro Jahr (insgesamt lediglich 13,42 Hektar). Demgegenüber steht im selben Zeitraum eine Neuinanspruchnahme von über 6.000 Hektar für Wohn-, Verkehrs-, Industrie- und Gewerbezwecke⁶ – ein massives Missverhältnis.


Aktuelles

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IPO-Plan abgelehnt

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Landesverband@NABU-Sachsen.de

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