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10 Jahre „Schwalben willkommen“

Eine Erfolgsgeschichte mit Herz und Zukunft

Vor zehn Jahren starteten NABU Sachsen und LaNU die Mitmachaktion „Schwalben willkommen“. Am 13. Juni 2026 feierten wir das Jubiläum im Zoo Dresden – mit Plakettenverleihungen und Appellen für mehr Artenschutz.

Rund 70 Gäste fanden sich am 13. Juni zum Jubiläum im Auditorium vom Zoo Dresden ein. Foto: Ina Ebert

Rund 70 Gäste fanden sich am 13. Juni zum Jubiläum im Auditorium vom Zoo Dresden ein. Foto: Ina Ebert

Am 13. Juni 2026 feierten der NABU Sachsen und die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) im Auditorium des Zoo Dresden das zehnjährige Jubiläum der Mitmachaktion „Schwalben willkommen“. Seit dem Start im Jahr 2016 verbindet diese Gemeinschaftsinitiative Naturschutz und bürgerschaftliches Engagement, um den fortschreitenden Bestandsrückgängen von Rauch- und Mehlschwalben in Sachsen aktiv entgegenzuwirken.

 


Maria Vlaic, Vorsitzende des NABU Sachsen

"Das Jubiläum „10 Jahre Schwalben willkommen“ eröffnete Maria Vlaic, Landesvorsitzende des NABU Sachsen, mit den Worten „ Wir möchten heute mit Ihnen nicht nur feiern, sondern sind heute hier, um das Engagement von über 1000 Menschen zu würdigen, die sich für ihren Schutz einsetzen. Als wir im Juni 2016 starteten, blickten wir auf einen dramatischen Rückgang der Schwalbenbestände zurück. Seit zehn Jahren sagen der NABU Sachsen und die LaNU mit der Aktion ‚Schwalben willkommen‘ vor allem eins: Danke. Unser riesiges Dankeschön gilt allen  Schwalbenfreunden, unseren ehrenamtlichen Beratern, dem Zoo Dresden für die Gastfreundschaft sowie der LaNU für die jahrelange, großartige Zusammenarbeit.“


Robert Clemen, Stiftungsdirektor der LaNU

"In die Grußworte von Robert Clemen, Stiftungsdirektor der LaNU, mischten sich Freude und Mahnung zugleich: „Das Jubiläum der gemeinsamen Mitmachaktion ist eigentlich eine freudige Nachricht, wären da nicht die aktuellen Zahlen, die uns die Vogelschutzwarte aus Neschwitz übermittelt hat. Wir müssen noch mehr tun, um eine höhere Akzeptanz für Bruten dieser beiden Schwalbenarten an und in Gebäuden zu erzielen. Die Weidetierhaltung von Rindern, die Haltung von Schafen, Ziegen und Pferden, aber auch die Schweinehaltung in offenen Ställen ist essentiell für kleine Fluginsekten, die Nahrung der Schwalben. Auch die Rückkehr des traditionellen Misthaufens kann zu einem reichlich gedeckten Tisch für unsere Schwalben beitragen.“


Matthias Hendel, Seniorkurator des Zoo Dresden

"Matthias Hendel, Seniorkurator des Zoo Dresden, sprach seine große Anerkennung für die Aktion   aus. „Der Zoo Dresden ist ein Ort der Begegnung und des Artenschutzes. Unsere besondere Hochachtung gilt den vielen Schwalbenfreunden in Sachsen. Wir freuen uns, Sie am Nachmittag mitnehmen zu können auf einen Spaziergang durch den Zoo zu den Quartieren unserer Schwalben.“



  • Mitmachen und ausprobieren. Foto: Luisa Schrader

  • Rauchschwalben füttern ihre Jungen im Elefantenpflegerbereich. Foto: Luisa Schrader

  • Besonderer Ausblick im Auditorium zu den Elefanten. Foto: Luisa Schrader

  • Zeit für Gespräche. Foto: Luisa Schrader

  • Matthias Vetter im Gespräch mit Gästen. Foto: Luisa Schrader

  • Maria Vlaic kündigt Vortrag Rolf Schulze an. Foto: Luisa Schrader

  • Maria Vlaic. Foto: Luisa Schrader

  • Tomas Brückmann. Foto: Luisa Schrader

  • Matthias Hendel. Foto: Luisa Schrader

  • Ina Ebert 10 Jahre Schwalben willkommen in Sachsen. Foto: Luisa Schrader

  • Spaziergang zu den Schwalbenquartieren im Zoo. Foto: Ina Ebert

  • Lehmbau einfach mal ausprobieren. Foto: Ina Ebert

  • Schwalbenkekse. Foto: Ina Ebert

  • Schwalben-Ausstellung mit zahlreichen Exponaten aus aller Welt von "Schwalbenfamilie" Fuhrmann, verschiedene Kunstnester, Kunstobjekte und nachahmenswerte Aufklärungsschilder. Foto: Ina Ebert

  • Robert Clemen. Foto: Luisa Schrader

  • Tanja Schumann. Foto: Luisa Schrader

  • Die Vielfalt der NABU-Schwalbenplaketten in Deutschland ist groß. Foto: Ina Ebert

Die Mitmachaktion für sächsische Schwalbenfreunde

Ina Ebert, die die Mitmachaktion seit ihren Anfängen im Juni 2016 intensiv begleitet, blickte in ihrem Kurzvortrag auf den gesellschaftlichen und praktischen Wert der Initiative zurück. Aus einem Jahrzehnt starker Partnerschaft, der Allianz zwischen NABU Sachsen und LaNU, hat sich eine Erfolgsgeschichte entwickelt. Der Erfolg der Aktion liege darin, dass Artenschutz messbar und sichtbar wird, da engagierte Bürger, die Nester dulden oder künstliche Hilfen anbringen, mit der Plakette „Hier sind Schwalben willkommen“ geehrt werden. Dies wandle die Wahrnehmung von Schwalben von vermeintlichen Fassadenverschmutzern hin zu geschätzten Glücksbringern. Sie betonte zudem, dass effektives Konfliktmanagement mit einfachen Hilfsmitteln wie Kotbrettchen gelinge, die im richtigen Abstand unter den Nestern angebracht werden. Gleichzeitig mahnte sie anhand des Beispiels am Wasserpalais Schloss Pillnitz zur Wachsamkeit, da dort nach einer Sanierung eine ehemals große Kolonie vollständig verschwand. Wenn Nester ohne adäquaten Ersatz entfernt werden müsse man laut fachlicher Einschätzung auch die Konsequenz zeigen und verliehene Plaketten wieder zurückfordern.

Einen besonderen Stellenwert nahm in ihrem Bericht die Arbeit mit der nächsten Generation in Schul- und Kindergartenprojekten ein, wie die Auszeichnung eines Kindergartens durch den NABU-Biberhof zeigt. Sie würdigte den unermüdlichen Einsatz zahlreicher NABU-Gruppen, unter anderem in Hohenprießnitz, Zwickau, Dresden, Chemnitz, Großdittmannsdorf, Delitzsch, Niesky, Meißen und im Vogtland, sowie der Wildvogelhilfe Leipzig, wo viele Rauchschwalben durch professionelle Pflege gerettet werden konnten. Unterstützt wird die Aktion zudem durch das NABU-Naturschutzinstitut Dresden, verschiedene Naturschutzstationen, Kirchgemeinden sowie gezielte Veröffentlichungen beim NABU und in der Presse. Für ihr besonderes Engagement wurden diverse Partner, Unternehmen wie der Milchviehbetrieb Brodau, die Reitanlage Salbitz, eine Tankstelle in Markneukirchen, und auch der Schauspieler Peter Sodann ausgezeichnet. Erfolgreiche Praxisbeispiele wie der Marsdorfer Schwalbentag 2017, der Kindertag im Landgestüt Moritzburg oder eine neue Mehlschwalbenkolonie am Leipziger Hauptbahnhof, die von Stadtquartier-Großbaustellen auf ehemaligen Bahnbrachen profitiert, unterstreichen die Wirksamkeit dieser Arbeit.


So fing 2016 alles an...

Schwalben – auf Leitungen sitzen sie gern gesellig beisammen - Foto: Bärbel Franzke

„Schwalben willkommen“

Landesweites Projekt zum Schutz von Schwalben-Niststätten

Schwalben sind Kulturfolger und nisten in unmittelbarer Nachbarschaft des Menschen. Trotz dieser Anpassung gibt ihr Bestand Anlass zur Sorge. Am 8. Juni 2016 hat der NABU Sachsen, unterstützt von der LaNU, das Projekt „Schwalben willkommen“ gestartet. Mehr →

Warum die Schwalbenbestände zurückgehen

Tomas Brückmann von der LaNU beleuchtete die strukturellen Ursachen des Schwalbenschwunds, die vor allem in der modernen Landbewirtschaftung und Bauweise begründet liegen. Wo die klassische Viehhaltung und offene Misthaufen verschwinden und Kleingewässer austrocknen, fehlt es den Schwalben im Frühjahr an Fliegen, Mücken und Baumaterial. Zudem bieten moderne, oft zugige Offenställe kaum noch geschützte Nistplätze für Rauchschwalben. Die zunehmende Trockenheit führt außerdem dazu, dass Pfützen verschwinden und Schwalben keinen feuchten Lehm für den Nestbau finden oder bestehende Nester austrocknen und abstürzen. Der Fang auf den Zugrouten in Afrika spiele zwar eine Rolle, sei jedoch im Vergleich zu den gravierenden Lebensraumverlusten in der Heimat nicht der Hauptgrund für das Schwinden der Bestände.

Lutz Hennig vom NABU Dresden-Meißen untermauerte diese Situation mit ernüchternden Zahlen aus der Region Dresden. Er verwies auf den 2023 erschienenen Atlas der Brutvögel der Stadt Dresden, wonach sich nur noch in ganz wenigen Stadtgebieten größere Vorkommen finden lassen. Besonders dramatisch ist der Einbruch der Beringungszahlen von Rauchschwalben im Raum Dresden, die von rund 900 Vögeln im Jahr 2021 auf fast die Hälfte im Jahr 2025 zurückgingen. Einen Lichtblick stellt dagegen das Landgestüt Moritzburg dar, wo die größte Rauchschwalbenkolonie der Region dank hervorragender Bedingungen im Pferdestall bislang stabil bleibt. Hennig mahnte jedoch, dass geschwächte Populationen extreme Wetterereignisse künftig immer schwerer ausgleichen können.

Tanja Schumann, Vorsitzende des NABU Meißen, berichtete ebenfalls über die bedrohliche Lage der regionalen Schwalbenbestände und die Situation in der ländlichen, von der Elbe geprägten Region Meißen. Um die Vögel zu schützen und Akzeptanz zu stärken, setzt die Gruppe neben praktischen Maßnahmen wie der Schaffung von Einflugöffnungen vor allem auf intensive Aufklärungsarbeit und Umweltbildung für alle Altersklassen. Durch die Vermittlung einfacher Hilfen wie Lehmpfützen, die Bereitstellung von Nisthilfen bei Veranstaltungen und die Verleihung von Schwalbenplaketten, wie etwa an den Weinhof Günther, den Pferdehof Tennert und den Demeter-Bauernhof Risse, fördert die Gruppe den direkten Draht zur Bevölkerung.
 


Ein halbes Jahrhundert Wissen weitergeben

Maria Vlaic kündigt Vortrag Rolf Schulze an. Foto: Luisa Schrader

Maria Vlaic kündigt Vortrag Rolf Schulze an. Foto: Luisa Schrader

Aus der Perspektive eines halben Jahrhunderts aktiver Naturschutzarbeit berichtete Rolf Schulze, Vorsitzender des NABU Hohenprießnitz. Er verdeutlichte den drastischen Wandel im Dorfleben und wies auf erhebliche Wissenslücken in der Bevölkerung hin, da es bei Exkursionen regelmäßig zu Verwechslungen zwischen Schwalben, Mauerseglern und Fledermäusen kommt. Hier leisten die Auszeichnungen wichtige Aufklärungsarbeit. Rolf Schulze zog das Fazit, dass sich Schwalben und Fledermäuse denselben Job teilen, da die einen am Tag und die anderen in der Nacht jagen, weshalb gezielte Nisthilfen in bestehenden Kolonien das effektivste Mittel zur Stützung der Restbestände seien.


Schwalbentheater und Auszeichnungen

Barbara Geiger begeistert mit dem Theaterstück über die Rauchschwalben. Foto: Ina Ebert

Barbara Geiger begeistert mit dem Theaterstück über die Rauchschwalben. Foto: Ina Ebert

Wie unterhaltsam Naturschutz vermittelt werden kann, bewies Barbara Geiger mit ihrem wissenschaftlichen Theater Fräulein Brehms Tierleben und dem Stück „Hirundo rustica – Die Rauchschwalbe“. Mit ihrem leidenschaftlichen Ruf „Es lebe die Pfütze!“ begeisterte sie das Publikum.

In der Mittagspause verwandelte sich das Auditorium in einen lebendigen Marktplatz, auf dem Erwachsene Erfahrungen austauschten, während Kinder Schwalbenkekse naschten und kleine Schwalbenplaketten aus Lehm formten. Die Gäste bestaunten eine Schwalbenausstellung mit Exponaten aus Keramik, Holz und Metall, welche die bereits mit der Plakette geehrte Familie Fuhrmann von Urlaubsreisen mitgebracht hatte und erstmals öffentlich zeigte. Zudem wurden verschiedene Kunstnester, Schwalbenwinkel und ein neuentwickeltes Schild des NABU Sachsen zur Akzeptanzsteigerung an Mehrfamilienhäusern präsentiert. Ein besonderes Highlight für die Gäste waren ungebrannte Lehmziegel, die Schüler der Natur-AGs im NABU-Naturschutzzentrum Erzgebirge in Chemnitz unter der Leitung von Sven Korb hergestellt und mit einem Jubiläumsstempel geprägt hatten. Diese können von den Gästen zu Hause als Baustofflager eingeweicht werden, um Schwalben beim Nestbau zu unterstützen.

Ein feierlicher Höhepunkt war die persönliche Verleihung der Schwalbenplaketten durch Maria Vlaic und Robert Clemen an den Zoo Dresden sowie an engagierte Schwalbenfreunde. Geehrt wurden die Familien Wukasch aus Neißeaue, Krautschick aus Königswartha, Sommer aus Lichtensee, Schwarz aus Lommatzsch und Martin aus Sohland und in Abwesenheit die Familien Wolfram aus Leipzig  und Müller aus Lüttichau. Ein anschließender Rundgang mit der Revierleiterin Vogelrevier Kerstin Kunadt und Matthias Hendel, Seniorkurator, führte die Teilnehmenden schließlich direkt zu den aktiven Rauchschwalbenquartieren im Elefantenpflegerbereich und in den Huftierställen.

Der NABU Sachsen und seine Partner rufen dazu auf, im Schwalbenschutz nicht nachzulassen und die kommenden zehn Jahre zu nutzen, um den Schutz noch kreativer und krisenfester zu gestalten. Ein herzlicher Dank gilt allen Ehrenamtlichen, den Regionalgruppen, Naturschutzstationen, der Wildvogelhilfe Leipzig und jedem einzelnen Hausbesitzer. Dass unmittelbar nach der Veranstaltung bereits zwölf neue Bewerbungen für die Plakette eingingen, zeigt eindrucksvoll, dass der Funke in Sachsen übergesprungen ist.

 



  • Lehmziegelbau mit Schüler der Natur-AGs im Naturschutzzentrum Chemnitz. Foto: Sven Korb

  • Lehmziegelbau Naturschutzzentrum Chemnitz. Foto: Sven Korb

  • Schwalbe, aus Weide geflochten von Christian Hegholz. Foto: Ina Ebert

In der Mittagspause verwandelte sich das Auditorium in einen lebendigen Marktplatz, auf dem Erwachsene Erfahrungen austauschten, während Kinder Schwalbenkekse naschten und kleine Schwalbenplaketten aus Lehm formten. Die Gäste bestaunten eine Schwalbenausstellung mit Exponaten aus Keramik, Holz und Metall, welche die bereits mit der Plakette geehrte Familie Fuhrmann von Urlaubsreisen mitgebracht hatte und erstmals öffentlich zeigte. Zudem wurden verschiedene Kunstnester, Schwalbenwinkel und ein neuentwickeltes Schild des NABU Sachsen zur Akzeptanzsteigerung an Mehrfamilienhäusern präsentiert. Ein besonderes Highlight für die Gäste waren ungebrannte Lehmziegel, die Schüler der Natur-AGs im NABU-Naturschutzzentrum Erzgebirge in Chemnitz unter der Leitung von Sven Korb hergestellt und mit einem Jubiläumsstempel geprägt hatten. Diese können von den Gästen zu Hause als Baustofflager eingeweicht werden, um Schwalben beim Nestbau zu unterstützen.



  • Auszeichnungen mit der Schwalbenplakette nach der Mittagspause. Foto: Luisa Schrader

  • Zoospaziergang_Rauchschwalben füttern ihre Jungen im Elefantenpflergerbereich. Foto: Luisa Schrader

Ein feierlicher Höhepunkt war die persönliche Verleihung der Schwalbenplaketten durch Maria Vlaic und Robert Clemen an den Zoo Dresden sowie an engagierte Schwalbenfreunde. Geehrt wurden die Familien Wukasch aus Neißeaue, Krautschick aus Königswartha, Sommer aus Lichtensee, Schwarz aus Lommatzsch und Martin aus Sohland und in Abwesenheit die Familien Wolfram aus Leipzig und Müller aus Lüttichau. 
Ein anschließender Rundgang mit der Revierleiterin Vogelrevier Kerstin Kunadt und Matthias Hendel, Seniorkurator, führte die Teilnehmenden schließlich direkt zu den aktiven Rauchschwalbenquartieren im Elefantenpflegerbereich und in den Huftierställen.



  • Rauchschwalben. Foto: Knut Fischer



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