Im Porträt:
Die Spree
Die knapp 400 Kilometer lange und durch Sachsen, Brandenburg und Berlin fließende Spree entspringt in der Oberlausitz an ihren drei Quellorten Ebersbach-Neugersdorf und am Berg Kottmar. Mehr →
Spreewald. – Foto: Kathleen Burkhardt-Medicke
Leipzig, Potsdam, Berlin, 25. September 2026 – Zum Internationalen Tag der Flüsse 2026 weisen die NABU-Landesverbände Sachsen, Brandenburg und Berlin auf die Probleme der Spree hin: Mit dem Ende des Braunkohleabbaus in der Lausitz droht dem Fluss das Wasser auszugehen. Um seine natürlicherweise saisonal variierenden Wasserstände auszugleichen, wird der Fluss seit Jahrzehnten mit den Sümpfungswässern aus dem Kohleabbau gespeist. Sowohl der Spreewald als auch die Großstadt Berlin haben sich an die künstlich gesteigerten Wassermengen gewöhnt. „Mit dem Kohle-Aus wird der Spree der Wasserhahn zugedreht“, sagt Rainer Altenkamp, 1. Vorsitzender des NABU Berlin, „und der Klimawandel wird die Situation weiter verschärfen.“
Seit einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zu den wasserwirtschaftlichen Folgen des Ausstiegs aus dem Braunkohleabbaus von 2023 wird eine Wasserüberleitung aus der Elbe in die Spree als Lösung für die absehbaren Probleme diskutiert und – ohne notwendige Studien zu Machbarkeit und ökologischen Folgen abzuwarten – bereits vielfach lautstark eingefordert. Dabei blieb auch die Elbe von den Rekordniedrigwasserständen der letzten Jahre keineswegs verschont. Das sächsische Coswig hat gerade erst einen „Hungerstein“ in der Elbe gesetzt, der die extremen Niedrigwasserstände sichtbar macht.
Naturbasierte Lösungen statt Technik, die neue Probleme schafft
Die NABU-Landesverbände Sachsen, Brandenburg und Berlin appellieren daher an die Regierungen der betroffenen Bundesländer, die Folgen des Braunkohleabbaus nicht mit ebenso problematischen, technischen Lösungen zu kompensieren, sondern im gesamten Flussverlauf naturbasierte Lösungen umzusetzen und den Wasserrückhalt in der Fläche zu verbessern. „Eine nachhaltige Wasserpolitik muss die Einzugsgebiete der Flüsse insgesamt betrachten und darf Wasserprobleme nicht lediglich von einer Region in eine andere verlagern“ mahnt Altenkamp. Maria Vlaic, Landesvorsitzende des NABU Sachsen, betont: „Wer jetzt unüberlegte und überstürzte Taten fordert, hat die regionalen und überregionalen Folgen des Klimawandels nicht im Blick. Vielmehr müssen neben Überlegungen zu Wasserrückhalt, Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und Verbesserung der Wasserqualität in den braunkohlegeprägten Gewässern langfristig tragfähige politische Lösungen für den steigenden gewerblichen und industriellen Wasserverbrauch gefunden werden.“
„Technische Lösungen wie Überleitungen sind reine Symptombehandlung und setzen nicht an der Ursache des Problems an“, resümiert Björn Ellner, Landesvorsitzender des NABU Brandenburg. Mit dem Bau von Überleitungen gingen enorme Eingriffe in Natur und Landschaft einher. Hinzu komme, dass ökologische Risiken bestünden, indem beispielsweise nach Havarien auftretende Gewässerbelastungen von einem Flusssystem in ein anderes überführt werden könnten. Ferner bestehe das Risiko für die heimische Tier- und Pflanzenwelt problematische invasive Arten schneller und weiter zu verbreiten. „Neben den ökologischen Risiken stellt sich auch die Frage, wer letztendlich die auf Ewigkeit ausgelegte Überleitung bezahlen soll. Wie so oft, werden die Kosten wohl am Steuerzahlenden und damit an allen Bürgerinnen und Bürgern hängen bleiben“, so Ellner weiter.
Bislang will Sachsen einer Überleitung aus der Elbe oder anderen Fließgewässern in die Spree nicht zustimmen und verweist auf noch ausstehende wissenschaftliche Untersuchungen. „Die Bundesländer entlang der Spree sollten diese Zeit nutzen, wirklich nachhaltige Lösungen für das bevorstehende Wasserdefizit zu finden, die nicht zu Lasten anderer Regionen und Ökosysteme gehen“, sagt Altenkamp.
Aus der Sicht der NABU-Landesverbände Sachsen, Brandenburg und Berlin müsse man bereit sein, sich wieder an weniger Wasser in der Spree zu gewöhnen. Nachdem der Fluss durch Begradigung, Vertiefung, Verbreiterung und Regulierung künstlich ausgebaut wurde, biete sich jetzt die Chance, wieder naturnähere Verhältnisse herzustellen. Die Renaturierung der Spree, zum Beispiel durch Verkleinerung des Gewässerquerschnitts und die Wiederanbindung von Auen biete eine nachhaltige und volkswirtschaftlich kostengünstigere Alternative. Die Auflassung künstlicher Gräben im Spreewald und ein vorübergehendes Trockenfallen von Gewässerabschnitten im Sommer sei unausweichlich. „Für die Natur sind diese, auch in der Vergangenheit schon vorgekommenen Phänomene weitaus weniger dramatisch als oftmals behauptet. In erster Linie muss der Mensch lernen, sich wieder an naturnähere Verhältnisse als in den letzten 150 Jahren anzupassen“, schlussfolgert Ellner.
Hintergrund:
Laut der UBA-Studie könnten der Spree künftig 60 Millionen Kubikmeter Wasser fehlen. Die Elbe bei Dresden führt bei mittlerem Wasserstand durchschnittlich 329 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Wollte man die 60 Millionen Kubikmeter Wasser auf einmal abzweigen, müsste man die Dresdener Elbe also gut zwei Tage lang trockenlegen. In der Realität soll das Wasser in Hochwasserphasen entnommen, über ein Rohrsystem nach Norden geleitet und in einem Stausee zwischengelagert werden, um es bedarfsgerecht in die Spree abzugeben. Damit wäre das Problem aus Sicht des NABU jedoch nicht gelöst: Erfahrungen aus der Bewirtschaftung der Tagebauseen zeigen, dass die Verdunstung über die Wasseroberfläche des Stausees weitere Wassermassen erfordert. Zudem sind Hochwässer ein natürliches Phänomen, die für das Überleben von Auen unabdingbar sind. Überall in Deutschland – auch entlang der Elbe – werden derzeit flussbegleitende Auen renaturiert, die als natürliche Wasserrückhaltebecken dienen, den Klimaschutz unterstützen und die Biodiversitätskrise mildern.
2024 haben die Landesverbände Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt bereits in einem gemeinsamen Positionspapier auf die Probleme, die sich aus der Elbüberleitung ergeben, hingewiesen und die Prüfung naturbasierter Lösungen gefordert.
Wasserhaushalt Lausitz: Wasser in der Landschaft halten – Trinkwasserversorgung sichern
Download: Positionspapier des NABU Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg
UBA-Studie „Wasserwirtschaftliche Folgen des Braunkohleausstiegs in der Lausitz“:
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/wasserwirtschaftliche-folgen-des
Die knapp 400 Kilometer lange und durch Sachsen, Brandenburg und Berlin fließende Spree entspringt in der Oberlausitz an ihren drei Quellorten Ebersbach-Neugersdorf und am Berg Kottmar. Mehr →