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Herdenschutz wirkt, Quotenjagd auf Wölfe nicht

NABU Sachsen fordert wirksame Hilfe für Weidetierhalter

Der NABU Sachsen warnt vor der Aufhebung der ganzjährigen Schonzeit und vor einer Quotenjagd auf Wölfe. Solche Maßnahmen lösen das Problem der Risse nicht. Wer Nutztiere wirksam schützen will, muss den Herdenschutz stärken.

Wolf. Foto: Heiko Anders

Wolf. Foto: Heiko Anders

8. Mai 2026 - Nach der amtlichen Schadensstatistik sind die gemeldeten Wolfsrisse seit 2023 deutlich zurückgegangen. Die Fallzahl sank von 275 auf 161. Die Zahl der betroffenen Nutztiere ging von 1380 auf 546 zurück. Das ist ein Rückgang um 41 beziehungsweise knapp 60 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Wölfe in Sachsen in diesem Zeitraum fast konstant geblieben. Es gibt weder eine ungebremste Vermehrung, noch zunehmende Risszahlen, die eine pauschale Bejagung begründen könnten. Die Befürworter der Quotenjagd haben in den letzten Monaten die Öffentlichkeit mit übertriebenen Prognosen und falschen Zahlen überzogen.


Maria Vlaic, Vorsitzende des NABU Sachsen, sagt: „Entscheidend ist, ob Herden verlässlich geschützt sind. Das ist das Versprechen, das die Politik den Weidetierhaltern gegeben hat. Eine Quotenjagd verspricht einfache Lösungen, greift aber am eigentlichen Problem vorbei.”
 

Herdenschutz wirkt unmittelbar

Wolfsschutz. Grafik: Uwe Schroeder

Wolfsschutz. Grafik: Uwe Schroeder

Die sächsische Schadensstatistik zeigt, wo das eigentliche Defizit liegt. In Sachsen fehlten im vergangenen Jahr in mindestens 60 gemeldeten Fällen die nötigen Schutzmaßnahmen oder sie waren unzureichend umgesetzt. Wer diese Lücke nicht schließt, wird die Konflikte nicht verringern.

Wolfsabweisende Elektrozäune und fachgerecht eingesetzte Herdenschutzhunde erschweren den Zugang zu Schafen, Ziegen und Kälbern. Wo dieser Schutz konsequent aufgebaut, kontrolliert und instandgehalten wird, sinkt das Rissrisiko. Wo Wölfe Schutzvorkehrungen überwinden, müssen die Maßnahmen angepasst und problematische Einzeltiere gegebenenfalls schnell entnommen werden. Dafür gibt es bereits rechtliche Möglichkeiten. Eine pauschale Quotenjagd ist dafür weder nötig noch geeignet.


„Weniger Wölfe - weniger Risse" - So einfach ist es nicht

Drei Monate alter Wolfswelpe. Foto: Sebastian Körner

Drei Monate alter Wolfswelpe. Foto: Sebastian Körner

Pauschale Abschüsse ändern nichts daran, ob Weidetiere für Wölfe leicht erreichbar sind. Das Rudel bringt die erschossenen Familienmitglieder nicht mit den Schafen in Verbindung. Hinzukommt ein weiteres Risiko. Eingriffe in die Rudelstruktur können Konflikte sogar verschärfen, wenn erfahrene Strukturen zerstört werden und Schutzlücken auf den Weiden bestehen bleiben.

Die pauschale Quotenjagd gefährdet den Erhaltungszustand des Wolfs. Es ist zu befürchten, das jetzt schnell Fakten geschaffen werden, die zu einer erneuten Ausrottung führen. Auch ein aufwendiges und engmaschiges Bestandsmonitoring, das die Jagd begleitet, kann nur dann sinnvoll sein, wenn es unabhängig wissenschaftlich bewertet wird. Stattdessen überbieten sich derzeit Lobbyverbände und einzelne Politiker im Wettbewerb um ihre Wunschquoten für abzuschießende Tiere.


Der NABU Sachsen fordert deshalb, die Mittel dort zu konzentrieren, wo sie nachweislich wirken.

Weidetierhalter brauchen mehr Beratung, eine verlässliche Förderung und Mindeststandards, die sich an bewährter Praxis, auch aus anderen Bundesländern, orientieren. Gerade Halter kleinerer Herden müssen besser erreicht werden. Der NABU Sachsen unterstützt das mit seinen Herdenschutz-Praxisseminaren zu Rechtsfragen, Fördermöglichkeiten und konkreten Schutzlösungen.

Der Wolf bleibt ein streng geschützter Bestandteil heimischer Ökosysteme. Als großer Beutegreifer erfüllt er eine wichtige ökologische Funktion, genau wie die Weidetierhaltung. Wer eine Koexistenz von beidem anstrebt, muss Konflikte wirksam verringern. Das gelingt nicht mit Symbolpolitik, sondern mit konsequentem Herdenschutz.


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