NABU-Magazin naturnah
Ausgabe 1/2026 erschienen
Liebe Naturschützerinnen und Naturschutzmacher,
sind Sie Artenschützerin, Wolfsfreund oder engagieren sich für die Kreuzkröte? Betreuen Sie Amphibienschutzzäune, helfen in der Wildtierhilfe oder kümmern sich um Nistkästen? Reicht es denn nicht, einfach Lebensräume zu bewahren, um Arten zu schützen?
Wir sagen klar nein. Artenschutz brauchen wir heute mehr denn je!
Die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes und die Debatte um seine Bejagung, ebenso wie Genehmigungen zum Fang und Abschuss des Bibers in Sachsen, zeigen, dass Lebensraumschutz allein nicht reicht. Viele Tier- und Pflanzenarten sind nicht nur durch zerstörte Ökosysteme bedroht, sondern auch durch unseren Umgang mit ihnen.
Wolfsschutz bedeutet wirksamen Herdenschutz. Biberschutz heißt, Gewässerentwicklung zuzulassen. Der Erhalt von Feld- und Wiesenarten verlangt eine angepasste Bewirtschaftung und deutlich weniger Flächenverbrauch. Manche Arten gelten deshalb als unbequem oder als Hindernis wirtschaftlicher Interessen. Eine Wiederherstellungsverordnung hilft wenig, wenn wir unsere Lebensweise nicht so verändern, dass ein Zusammenleben mit Wolf, Biber und Co. gelingt.
Warum also diese ungeliebten Arten schützen? Weil sie Teil funktionierender Ökosysteme sind und unsere Lebensgrundlage bewahren helfen. Dass Biodiversität unseren Wohlstand sichert, ist belegt. Dennoch geraten gerade diese Arten unter Druck. Wölfe zu bejagen erscheint einfacher, als flächendeckend Herdenschutz umzusetzen, denn verhinderte Übergriffe lassen sich nicht beziffern. Auch sogenannte „Problembiber" zu entfernen, verspricht schnelle Entlastung für Land und Teichwirte, die allerdings nicht nachhaltig ist.
Solche Beispiele für scheinbar einfache Lösungen im Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur ließen sich fortsetzen. Sie gehen meist zulasten der Artenvielfalt und zeitigen selten dauerhaften Erfolg. Artenschutz bleibt daher ein unverzichtbarer Bestandteil des Naturschutzes.
In diesem Heft geben wir Einblick in die Artenschutzaktivitäten des NABU in Sachsen.
Unterstützen Sie uns. In ganz Sachsen freuen sich rund 60 Naturschutzgruppen über jede helfende Hand.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!
Ihre Maria Vlaic
