Pehnabach droht zu verschwinden
Verkürzte Planungen sind ein Risiko für die Natur
Der Wasserfall der Pehna droht zu verschwinden. Foto: Torsten Schmidt
19. November 2025 - Der NABU Sachsen warnt vor den geplanten Schnellverfahren (Planbeschleunigungsverfahren) für Bergbauprojekte in Sachsen, bei denen Umweltprüfungen verkürzt oder vereinfacht werden sollen. Dadurch steigt das Risiko, dass ökologische Schäden zu spät erkannt oder unterschätzt werden.
Wie gravierend die Folgen unzureichender Planung sein können, zeigt aktuell ein Fall in Thürmsdorf im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Jahrzehnte nach dem Uranerzbergbau der SDAG Wismut droht der Pehnabach zu verschwinden. Seit 1420 speiste der Bach zahlreiche Mühlen und stellte die Trinkwasserversorgung sicher. Nun ist nicht nur der höchste Wasserfall Sachsens bedroht, sondern auch eine artenreiche Flora und Fauna.
Pehnabach – ein Lehrbeispiel für unterschätzte Risiken
In den 1960er Jahren zerstörte der Uranbergbau der SDAG Wismut das natürliche Quellsystem der Pehna bei Königstein. Seitdem hält eine künstliche Wasserzufuhr den Bach am Leben. Diese ist Teil einer bis heute gültigen Auflage für die Rechtsnachfolgerin Wismut GmbH. Im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens versucht die Wismut GmbH nun, von ihrer „Ewigkeitsaufgabe“ entbunden zu werden. Ohne die Wasserzufuhr würde der Bach austrocknen. Schon eine Reduzierung im Jahr 2013 richtete erhebliche Schäden an Feuchtlebensräumen und wasserabhängigen Arten an.
Wismut GmbH will dem Bach das Wasser abdrehen
Statt einen tragfähigen Plan für den Erhalt des Gewässers vorzulegen, beantragt die Wismut GmbH, die Wasserzufuhr einzustellen. Der NABU Sachsen sieht jedoch die Verursacherin und ihre Nachfolgerin in der Pflicht, den Pehnabach zu schützen. Eine Einstellung der Wasserzufuhr ohne eine alternative und nachhaltige Bewässerung würde zudem gegen die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) verstoßen, die eine Verschlechterung des ökologischen Zustands von Gewässern untersagt.
Maria Vlaic, Landesvorsitzende des NABU Sachsen: „Verantwortung heißt, Lösungen zu schaffen, nicht Verpflichtungen abzuschütteln. Der Schutz des Pehnabachs ist keine freiwillige Aufgabe, sondern eine bleibende Verantwortung aus der Vergangenheit.“
Planbeschleunigung – Risiko für Natur und Gesellschaft
Der NABU Sachsen warnt, dass verkürzte Verfahren künftig ähnliche Planungsfehler begünstigen könnten. Reduzierte Prüfungen und enge Fristen lassen komplexe Wechselwirkungen zwischen Wasserhaushalt, Landschaft und Ökologie oft erst erkennen, wenn der Schaden bereits eingetreten ist. Das betrifft nicht nur Bergbauvorhaben. Planbeschleunigung ist auch im Energiesektor ermöglicht und wird für andere Bereiche gefordert.
Frühere Rohstoffabbauprojekte zeigen, wie stark Eingriffe in die Natur langfristige Kosten nach sich ziehen. Ein aktuelles Beispiel sind die Folgen des Braunkohleabbaus, deren Last Bürgerinnen und Bürger noch über Jahrzehnte schultern. Was heute als Beschleunigung verkauft wird, kann morgen zur untragbaren Umweltbelastung werden, denn nicht nur intakte Ökosysteme werden aufs Spiel gesetzt, sondern auch unsere Lebensgrundlagen. Die drohende Zerstörung des Pehnabachs beweist erneut: Gründliche Planung ist keine lähmende Bürokratie, sondern Vorsorge für kommende Generationen.
Forderung des NABU Sachsen
Der NABU Sachsen fordert die Landesdirektion auf, den Antrag der Wismut GmbH abzulehnen. Künftige Planungen müssen umfassende Umweltprüfungen sicherstellen und langfristige Folgekosten verbindlich einbeziehen, um die Bürgerinnen und Bürger vor „Ewigkeitslasten“ zu schützen.
