Großes Interesse für Schutz des Feldhamsters
Rund 60 Expertinnen und Experten trafen sich zum Online-Austausch
Feldhamster bei Grebehna – Foto: Ina Ebert
1. Dezember 2025 - Der Feldhamster steht für nachhaltige Landbewirtschaftung und gesunde Agrarlandschaften, galt aber auch lange als „Schädling“. Früher zahlte man Kopfprämien für jedes Tier, und die Felle wurden zu Mänteln verarbeitet. Landesvorsitzende Maria Vlaic, eröffnete die Tagung mit einem historischen Rückblick und betonte: „Es ist nicht nur die intensive Landwirtschaft, die den Hamster von einem weit verbreiteten Ernteschädling zu einer geschützten Art gemacht haben. Der Lebensraumverlust geht maßgeblich auch auf die Versiegelung und anhaltende Zerschneidung seiner Habitate zurück.“ Die Trockenjahre 2018 bis 2020 führten schließlich zum Verschwinden der Art in Sachsen. Schon im Jahr 2000 warnte der damalige sächsische NABU-Geschäftsführer in einem Brief an das Ministerium, dass die Restpopulation zu klein sei, um Krisen zu überstehen.
Bericht von der Feldhamstertagung in Leipzig
Thomas Liebenstein vom Zoo Leipzig berichtete von der diesjährigen internationalen Feldhamstertagung in Leipzig. Wissenschaftler und Naturschützer belegten dort, dass die Populationen an den Folgen fehlenden genetischen Austauschs leiden. Ohne Biotopverbünde können sie sich kaum an veränderte Umweltbedingungen anpassen – ein Problem, das nicht nur Sachsen betrifft. Liebenstein zeigte Beispiele für Hamsterschutzprojekte aus ganz Europa.
"Wir haben eine zweite Chance für den Feldhamster bekommen. Wenn wir es schaffen, den Hamster in Sachsen zu erhalten, können wir auch andere Arten der Agrarlandschaft retten."
Maria Vlaic, Vorsitzende des NABU Sachsen
Sachsen-Anhalt ist Schwerpunkt der Art
In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Art in Sachsen-Anhalt, das damit eine besondere Verantwortung trägt. Doch wie Ubbo Mammen (Ökotop) darlegte, wird es dieser Aufgabe nicht gerecht. Der Bau von Gewerbegebieten und Verkehrsinfrastruktur zerstört weiterhin wichtige Habitate, oft ohne entsprechenden Ausgleich. Genehmigungsbehörden unterschätzen offenbar die Bedeutung des Feldhamsters. Mammen präsentierte einen „Sieben-Punkte-Plan“ für effektiven Schutz, der nicht nur dem Hamster, sondern auch anderen Arten der Agrarlandschaft zugutekommt.
Das EU-Life Projekt
Ulrich Zöphel vom LFULG Sachsen stellte ein neues Schutzprojekt vor, das der Freistaat gemeinsam mit dem Zoo Leipzig umsetzt. Das EU-Life-Projekt entstand aus den Aktivitäten des seit 2008 bestehenden Arbeitskreises Kooperativer Feldhamsterschutz Sachsen, dem auch der NABU angehört. Ein zentrales Element solcher Projekte ist die Erfolgskontrolle, etwa durch das Dokumentieren von Hamsterbauen. Diese Arbeit erfolgt bisher händisch und ist zeit- sowie kostenintensiv. Der Landschaftspflegeverband Grüne Umwelt aus Sachsen-Anhalt präsentierte im Rahmen seines Projekts „Crifora“ ein Fernerkundungswerkzeug, das das Auffinden von Hamsterbauen auf großen Schlägen erleichtern könnte.
Projekt in Aachen
Auch in Aachen (Nordrhein-Westfalen) muss der Hamsterbestand durch Zucht und Aussiedlung gestützt werden, um langfristig wieder selbstständige Populationen zu schaffen. Der NABU Aachen berichtete von seinem Projekt, das nach dem Bau eines großen Gewerbegebiets notwendig wurde. Die letzte Hamsterpopulation vor Ort war 2018 erloschen und wird seither durch Zuchttiere gestützt.
Ursachen für das Verschwinden
Alle Vortragenden nannten Versiegelung und Zerschneidung von Lebensräumen als Ursachen für das Verschwinden des Hamsters. Doch diese Probleme lassen Naturschützern wenig Handlungsspielraum, da sie politischer Lösungen bedürfen. Dagegen bietet die Extensivierung der Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit Landwirten eine Chance, den Hamster zu schützen und seine Akzeptanz zu fördern. Landwirtin Silke Krostitz stellte abschließend ihre Initiative vor: Sie stellt Flächen für die Wiederansiedlung des Feldhamsters in Sachsen bereit. Sie betonte, dass Flächeneigentum auch die Verantwortung mit sich bringt, diese „enkeltauglich“ zu bewirtschaften – dazu gehört die Förderung der Artenvielfalt. Allerdings müsse die Politik entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, was derzeit noch unzureichend geschieht.
Wer den Schutz der Arten in Agrarlandschaften ernst meint, muss eine naturverträgliche, extensivierte Landwirtschaft nicht nur fördern, sondern auch ermöglichen. Zudem muss der Freistaat sein 2009 formuliertes Ziel zum Flächenverbrauch endlich umsetzen. Versiegelung und Zerschneidung der Lebensräume müssen drastisch reduziert, Brachen stärker genutzt sowie Entsiegelung und Renaturierung vorangetrieben werden. Der Feldhamster wird zum Symbol dafür, ob es gelingt, die Biodiversität und unsere Lebensgrundlagen zu bewahren.
