Sachsen steigt aus der FSC-Zertifizierung aus
Falsches Signal für Wald und Klima
Sachsens Staatswald bald ohne FSC-Label. Foto: Klemens Karkow
18. September 2025
„Der Eindruck drängt sich auf: Der Freistaat zieht sich aus allem zurück, was nutzungskritisch ist – ob FSC oder Wolf. Aus dem Klimawandel allerdings lässt sich nicht aussteigen“, stellt Maria Vlaic, Vorsitzende des NABU Sachsen, fest.
Eine Zertifizierung soll Nachhaltigkeitsstandards bei der Waldbewirtschaftung garantieren. So können Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf von Holzprodukten erkennen, ob diese umwelt- und sozialverträglich hergestellt wurden. FSC ist dabei nicht das einzige Zertifikat, aber sicher das bekannteste.
Das Land Sachsen hat sich 2019 entschlossen, seinen Staatswald FSC-zertifizieren zu lassen, was auch vom NABU Sachsen begrüßt wurde. Nun tritt der Freistaat aus der FSC-Zertifizierung großer Teile seines Staatswaldes aus. Das muss nicht zwangsläufig einen Rückschritt in eine rein wirtschaftsorientierte Holzindustrie bedeuten, erfordert vom Freistaat aber umso mehr Transparenz und Anstrengung, die im Klimawandel notwendigen ökologischen Anforderungen einzuhalten und nachvollziehbar zu gestalten.
Allerdings: Das Biosphärenreservat Oberlausitzer Teich- und Heidelandschaft bleibt zertifiziert. Der Freistaat hat damit den kleinsten gemeinsamen Nenner gewählt, denn in einem Biosphärenreservat gelten ohnehin naturnähere Bewirtschaftungsstandards. Der zertifizierte Waldbestand umfasst dort 3.100 Hektar – von insgesamt 205.423 Hektar Wald in Landesbesitz. Der Freistaat bewirtschaftet also gerade einmal 1,5 % seines Waldes nachweislich ökologisch. Vorbildwirkung sieht anders aus.
Im Koalitionsvertrag war zunächst eine Evaluierung der FSC-Zertifizierung vorgesehen. Die plötzliche Entscheidung des Umwelt- und Landwirtschaftsministers zum vorgezogenen Ausstieg – gestützt auf eine rein „verwaltungsinterne Evaluierung“ – irritiert daher und lässt Raum für Spekulationen.
Das Forest Stewardship Council (FSC) ist ein international anerkanntes Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung, das ökologische, soziale und wirtschaftliche Interessen gleichberechtigt berücksichtigt. Es setzt auf strengere ökologische Standards, jährliche Kontrollen jedes einzelnen Betriebs und eine gleichberechtigte Mitbestimmung von Umwelt- und Sozialverbänden.
Es gibt weitere Siegel: Naturland-Kriterien beispielsweise gehen noch über die des FSC hinaus und hat mit den „Verarbeitungsrichtlinien für Holz aus ökologischer Waldnutzung“ die Grundlagen für die Zertifizierung verarbeiteter Holzprodukte geschaffen. Diese Richtlinie umfasst neben der Rückverfolgbarkeit auch Aspekte einer ökologischen und gesundheitsverträglichen Produktion. PEFC hingegen ist ein holzwirtschaftliches Zertifizierungssystem, das sich zwar ebenfalls ökologischen Standards verschrieben hat, jedoch auf die Eigenverantwortung teilnehmender Betriebe setzt.
Nach PEFC wird der sächsische Staatswald bereits seit 2001 bewirtschaftet; ein jährlicher Bericht nach seinen Standards wird auf der Internetseite des Sachsenforst veröffentlicht. Eine Doppelzertifizierung mag den Akteuren – vor allem in Zeiten überbordender Bürokratie – als unsinnig und teuer erscheinen und selbstverständlich hindert der Ausstieg aus FSC den Freistaat nicht an der Umsetzung hoher ökologischer Standards im Sinne des Kampfes gegen Klima- und Biodiversitätskrise. Allerdings sinken damit Kontrollierbarkeit und Transparenz der behaupteten nachhaltigen Bewirtschaftung deutlich. Auch sendet der Ausstieg das falsche Signal an Privatwaldbesitzer.
Der NABU Sachsen empfiehlt dringend, den Ausstieg zurückzunehmen. Zudem fordern wir die Veröffentlichung der zugrunde liegenden Evaluierung sowie eine transparente, offene Diskussion.
In Zeiten, in denen die sächsischen Wälder unter Dürre, Schädlingsbefall und erhöhter Waldbrandgefahr leiden, ist eine Abkehr von den höchsten ökologischen Standards das völlig falsche Signal. Eine ökologische Waldbewirtschaftung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um unsere Wälder widerstandsfähiger zu machen und ihre wichtigen Funktionen für Wasserhaushalt, Artenschutz und Klimaschutz zu sichern. Eine FSC-Zertifizierung macht die notwendigen Maßnahmen sichtbar und für die Gesellschaft nachvollziehbar. Das der Freistaat hier eine große Verantwortung – auch in der Vorbildwirkung – trägt, ist klar.
Mit dem vorzeitigen und intransparenten Ausstieg ohne eine wirkliche Alternative nimmt Umwelt- und Landwirtschaftsminister von Breitenbuch Wirtschaft und Gesellschaft die Chance, den Kampf gegen die Klimakrise gemeinsam anzugehen und setzt ein fatales Zeichen in die falsche Richtung.
Das Grundsatzprogramm Wald des NABU
Der Wald ist eines der wichtigsten Ökosysteme Deutschlands - und steht vor großen Herausforderungen. Das NABU-Grundsatzprogramm Wald zeigt konkrete Lösungen auf, wie wir unsere Wälder nachhaltig schützen und entwickeln können.
Holz-Zertifizierung: PEFC, FSC und Naturland
Wie können wir sicherstellen, dass unser Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt? Die wichtigsten Zertifizierungssysteme FSC, PEFC und Naturland helfen bei der Orientierung und setzen unterschiedliche Standards für eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung.
