Mehr Schutz für Weidetiere statt Abschuss von Wölfen
NABU Sachsen fordert bessere Maßnahmen
Wolf (streng geschützt). Foto: Heiko Anders
15. Juli 2025 - Der NABU Sachsen widerspricht der Forderung des sächsischen Ministers für Landwirtschaft und Umwelt, Georg Ludwig von Breitenbuch, die Wolfspopulation durch Abschüsse zu regulieren. Der Minister sieht den „guten Erhaltungszustand“ der Wölfe als erreicht an und hält Abschüsse für notwendig, um Weidetierverluste zu reduzieren. Der NABU betont jedoch, dass es dafür keine belastbaren Beweise gibt und Abschüsse keine wirksame Lösung sind.
Seit der Jahrtausendwende breitet sich der Wolf in Deutschland zunehmend aus. In Sachsen ist er mittlerweile etabliert, und Übergriffe auf Weidetiere wie Schafe und Ziegen treten auf. Politik und Landwirtschaft führen dies auf den Populationsdruck zurück. Minister von Breitenbuch sieht deshalb die Anzahl der Rudel als Rechtfertigung für Abschüsse zum Schutz der Weidetiere.
Der NABU Sachsen widerspricht dieser Sichtweise. Der „gute Erhaltungszustand“ wird nicht nur über die Zahl der Tiere in einem Bundesland definiert, sondern umfasst auch die Qualität und Ausdehnung der Lebensräume sowie die langfristige Überlebensfähigkeit der Art. Zudem zeigen die Zahlen aus dem Jahr 2024, dass in Sachsen bei 227 bestätigten Wolfsrissen in 108 Fällen der gesetzlich vorgeschriebene Mindestschutz nicht eingehalten wurde.
In Sachsen gelten als Mindestschutz Elektro- oder Festzäune mit bestimmten Anforderungen. Anders als in anderen Bundesländern sind hier auch nicht elektrifizierte Festzäune erlaubt, was den Wölfen das Eindringen erleichtert. Deshalb führt Sachsen die Statistik der Wolfsrisse je Rudel an – nicht wegen einer besonders hohen Wolfspopulation, sondern wegen unzureichender Schutzmaßnahmen.
Ein konsequenter Schutz der Weidetiere durch geeignete Zäune kann die Zahl der Wolfsrisse deutlich senken. „Die Schutzmaßnahmen sind in Sachsen noch nicht ausgeschöpft“, erklärt Maria Vlaic, Landesvorsitzende des NABU Sachsen. „Andere Bundesländer haben höhere Mindeststandards. Ein Abschuss der Wölfe ist daher nicht gerechtfertigt.“
Der NABU fordert deshalb mehr Beratung und finanzielle Unterstützung für Weidetierhalter, besonders für Hobbyhalter, sowie eine Anpassung der Mindeststandards an bewährte Praktiken aus anderen Bundesländern. Jan Schöne, Wolfsexperte des NABU Sachsen, warnt vor den Folgen von Abschüssen: „Werden Rudelstrukturen durch Abschüsse zerstört, können unerfahrene Jungtiere mehr Schaden anrichten als stabile Rudel, die gelernt haben, Schutzmaßnahmen zu respektieren.“
Um Weidetierhalter zu unterstützen, bietet der NABU Sachsen in Zusammenarbeit mit Partnern Seminare zum Weidetierschutz an seiner Naturschutzstation Biberhof in Torgau an. Ziel ist es, praktisches Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln, um Tiere effektiv vor Wolfsübergriffen zu schützen.
Der NABU Sachsen appelliert an die Politik, sich an Fakten zu orientieren und den Schutz der Weidetiere durch bessere Prävention zu stärken, statt auf kurzsichtige und ineffektive Abschüsse zu setzen.
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Hinweis zum günstigen Erhaltungszustand nach EU-Recht:
Dieser umfasst neben der Populationsgröße auch Lebensraumqualität, Gefährdungen und die langfristige Überlebensfähigkeit der Art. Das allein berechtigt nicht zur Bejagung, wenn dadurch der Artenschutz gefährdet wird. In Sachsen zeigen zahlreiche Verkehrsopfer und illegale Tötungen, dass der Wolf nicht sicher ist. So ist etwa ein Rudel im Colditzer Forst innerhalb eines Jahres verschwunden.
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Quellen und weiterführende Informationen zu Mindeststandards in anderen Bundesländern:
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